Der Wandteppich der Unbefleckten Empfängnis in der Kathedrale von Reims

Englischer Originaltext von: P. Johann G. Roten, S. M

F: Was wissen wir über die fünfzehn Symbole der Immaculata, die auf dem berühmten Wandteppich Unserer Lieben Frau in Reims in Frankreich dargestellt sind?

Antwort:

A: Der berühmte Wandteppich Unserer Lieben Frau in der Kathedrale von Reims zeigt fünfzehn Bilder, die über das Leben Marias berichten. Das Erste stellt den Stamm Jesse dar (I), das Zweite (II) erzählt die Geschichte von Joachim und Anna (Ausweisung aus dem Tempel) und (III) deren Begegnung an der Goldenen Pforte. Die übrigen Dastellungen handeln vom Leben Marias:

IV. die Geburt Marias
V. die Darbringung Marias im Tempel
VI. die Tugenden Marias
VII. die Verlobung von Maria und Josef
VIII. die Verkündigung
IX. die Geburt Jesu
X. die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland
XI. die Darbringung Jesu im Tempel
XII. die Flucht nach Ägypten
XIII. die heilige Elternaschaft (familiäre Beziehungen) Unserer Lieben Frau
XIV. der Tod Marias
XV. die Aufnahme Mariens in den Himmel.

Es war ein mitttelalterlicher Brauch, die Innenwände der Kathedralen mit kostbaren Wandteppichen zu behängen. Die Wandteppiche über das Leben Unserer Lieben Frau wurden der Kathedrale zu Reims im Jahre 1530 vom Erzbischof Robert de Lenoncourt gestiftet. Ihre genaue Herkunft ist unbekannt. Sie dürften in den Werkstätten von Arras oder Tournai gewebt worden sein. Zahlreiche der dargestellten Szenen sind den apokryphischen Evangelien (Goldene Legende und Biblia Pauperum) entnommen. Die zahlreichen Symbole, die in diesen Bildern zu sehen sind, versuchen das Alte mit dem Neuen Testament zu verbinden. Eines der wichtigsten Motive, das auf diesen Bildern dargestellt wird bezieht sich auf die Keuschheit und Heiligkeit Marias und muss wohl als Reaktion auf die protestantische Kritik verstanden werden.

Das Bild VI, das die Tugenden Marias darstellt, gibt einen Hinweis auf die Unbefleckte Empfängnis, deren besondere Verehrung während des 15. und 16. Jahrhunderts an Beliebtheit zunahm. Der Wandteppich wird von Gott Vater beherrscht, der Maria zur vollkommenen Schönheit ohne den Makel der Unvollkommenheit erhob (Tota pulchra es amica mea et macula non est in te. Hoheslied 4,7). Im Mittelpunkt des Bildes sehen wir Maria beim Weben; sie wird von zwei Engeln flankiert, die ihr Brot und Wein bringen. Sie sitzt in einem verschlossenen Garten, dessen Türpfosten von Fahnen überragt sind, die das Wappen der Kathedrale von Reims tragen. Die beiden Einhörner links und rechts von den Säulen symbolisieren die Jungfräulichkeit Marias. Zwischen Gott Vater und dem verschlossenen Garten können wir die sieben Engel der Schöpfung (für jeden Tag einen) sehen. In den unteren rechten und linken Ecken entdecken wir die Gestalten der ungenannten Propheten, die die Erhabenheit Marias verkünden, worauf im Buch der Sprichwörter angespielt wird: „Maria bewies die Handfertigkeit ihrer Hände,“ und „die bei Maria angesammelten Verdienste sind bei weitem bedeutender als die von anderen Frauen.“ Alle anderen Elemente weisen auf die Tugenden Marias hin.

Die fünfzehn Symbole, die dazu verwendet werden, um die Tugenden Marias oder ihre Unbefleckten Empfängnis zu veranschaulichen und zu symbolisieren sind vorwiegend aus dem Alten Testament entnommene Bilder. In diesen Symbolen wird die Unbefleckte Empfängnis mit der Schönheit, der Nähe zu Gott, der Fülle Gottes, der Unsterblichkeit, der Kraft, dem Sieg über das Böse und der Reinheit verglichen. (Für weitere Informationen über jedes Symbol klicken Sie bitte auf einen betonten Teil des Wandteppichs.)