Die Heilige Eucharistie und Maria, die Mutter Gottes

Ein Impuls zum Fronleichnamsfest

ROM, 2. Juni 2010 (ZENIT.org).-Morgen ist der 2. Donnerstag nach Pfingsten und Katholiken in mehrheitlich katholischen Gebieten der deutschsprachigen Länder feiern das Hochfest vom Heiligen Leib des Herrn "Corpus Christi".

Das Fronleichnamsfest gibt es schon seit 1264. Es wurde durch Urban IV. allgemein eingeführt. Der Name Fronleichnam stammt von dem mittelhochdeutschen Wort 'vronlichnam' ab und bedeutet Fron bzw. Herren Leichnam aber im Sinne des lebendigen Leibes. Gemeint ist der in der geweihten Hostie anwesende Leib Christi.

"Maria führt uns eben zu einem vollen Verständnis der Eucharistie", das war die Überzeugung des großen Mariologen P. Jesus Castellano OCD. Der unbeschuhte Karmelit, war Professor für Sakramententheologie und Spiritualität an der Päpstliochen Fakultät Theresianum in rom und Ratgeber der Kongregation für die Glaubenslehre und dem Amt für liturgische Feiern des Hl. Vaters. Noch kurz vor seinem Tod gab er mehrere Interviews über das Thema Eucharistie. Mit Blick auf das Priesterjahr und das Hochfest "Corpus Christi" veröffentlichen wir folgende Abschnitte zum Thema Maria und die Hl. Eucharistie.

P. Jesus, besteht zwischen der Hl. Jungfrau Maria und dem Opfer Christi, das in der Eucharistiefeier vergegenwärtigt wird, eine reale Verbindung?

--P. Jesus Castellano:Wie uns der Hl. Vater im sechsten Kapitel der Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia" erinnert, bestehen zwischen Maria und der Eucharistie durchaus sehr starke Bindungen. All das hängt nicht von einer gewissen Verehrung und Andacht ab, sondern besitzt sehr tiefe Wurzeln. Vor allem aufgrund des Anerkennens des Leibes und Blutes in der Eucharistie. In den Eucharistischen Hochgebeten und den Glaubensbekenntnissen wird immer wieder bestätigt, dass sich in der Eucharistie derselbe Leib befindet, der von der Jungfrau und Gottesmutter Maria geboren wurde. Hierbei handelt es sich bereits um ein grundsätzliches Merkmal der Beziehung zwischen Eucharistie und der Jungfrau Maria, denn was wir in der Eucharistie haben, ist das, was Er von Maria empfangen hat: Leib und Blut, das heißt, unsere eigene Menschheit. Dies betrachtend klingt es nicht mehr allzu sonderbar, wenn der hl. Augustinus davon spricht, dass „das Fleisch Christi das Fleisch von Maria ist". So besingt es auch der hl. Thomas von Aquin in seinen Fronleichnamshymnen: „dieser Leib, von einem großzügigen Mutterleib geboren". Oder, wie auch im Ave Verum: „Ave, Verum Corpus natum ex Maria Virgine". Daher kommt es auch, dass es das Erste aller Merkmale ist. Wie es eben eine Bindung zwischen der Menschwerdung und der Eucharistie gibt, so gibt es eine Bindung zwischen Maria - Hauptfigur der Menschwerdung - und der Eucharistie.

Ohne Zweifel herrscht ein weiteres unauflösliches Band zwischen der seligen Jungfrau Maria und der Eucharistie, nämlich die Gegenwart Marias am Fuße des Kreuzes. Was den Opferwert der Eucharistie betrifft, können wir keinesfalls die Gegenwart von Maria ignorieren. Jedoch handelt es sich dabei nicht um eine einfache Präsenz, sondern, wie wir so oft in verschiedensten Dokumenten der Kirche nachlesen können, um die Einheit mit demselben Opfer ihres Sohnes, in der die Aufopferung des Heiligen Opfers inkludiert ist - Zweites Vatikanisches Konzil - und der Aufopferung ihrer selbst mit dem Heiligen Opfer. So erinnert uns Paul VI. in Marialis Cultus, dass die Hl. Jungfrau aufopfert und sich aufopfert.

Schließlich haben wir noch ein Merkmal, auf das uns der Hl. Vater hinweist: wo doch die Jungfrau Maria nach Pfingsten in der Urkirche lebt, nimmt Sie mit derselben Kirche am Brotbrechen teil.

Eine grundsätzliche Tatsache ist, dass in jedem Eucharistischem Hochgebet Maria mindestens einmal und teilweise auch öfters erwähnt wird. Im ältesten Eucharistischen Hochgebet, das wir aus der Apostolischen Tradition bewahren, wird Sie an der Stelle erwähnt, an der wir die Menschwerdung des Herrn durch das Werk des Heiligen Geistes und der Heiligen Jungfrau Maria erinnern. Weiters wird Sie beim Gedenken der Heiligen erwähnt, wie es im Römischen Mess-Kanon der Fall ist, wenn wir um die Fürsprache der Heiligen Jungfrau Maria bitten: „In Gemeinschaft mit der ganzen Kirche gedenken wir deiner Heiligen. Wir ehren vor allem Maria, die glorreiche, allzeit jungfräuliche Mutter unseres Herrn und Gottes Jesus Christus." Das ist in allen Hochgebeten der Ost und Westkirche gleich.

Doch die lebendigste, die sachlichste, die echteste Gegenwart der Gottesmutter in der Kirche ist die, die sich immer dann verwirklicht, wenn wir die Eucharistie feiern. Das ist auch der Grund, weshalb wir Sie immer in Erinnerung rufen und ihre Führsprache erbitten.

Einen sehr eigenartigen und zugleich sehr schönen Brauch können wir in den orientalischen, in den byzantinischen Liturgien, sowohl in der vom hl. Johannes Chrysostomus, wie auch der vom hl. Basilius beobachten. Jedes Mal dann, wenn die Heilige Jungfrau an dieser Stelle des Eucharistischen Hochgebetes erwähnt wird, beräuchert man den Leib und das Blut des Herrn feierlich und singt dabei eine Marianische Antiphon zu Ehren der Heiligen Jungfrau Maria.

In der Äthiopischen Kirche gibt es ein Hochgebet der Hl. Jungfrau und Gottesmutter Maria und ein weiteres von Maria, Tochter des Herrn, in denen ebenso dieses Geheimnis der Heiligen Jungfrau Maria besungen wird.

In der 21. Strophe der Akatistus Hymne wird erklärt, dass die Heilige Jungfrau Maria das Leben des Heiligen Mahls ist. Auch liebe ich es sehr, einige sehr einfache und sehr schöne Gebete zu unterstreichen, die einen großen Sinn an kindlicher Liebe und Verehrung aufweisen. Wenn zum Beispiel in der äthiopischen Liturgie zur Heiligen Jungfrau gesagt wird: „Du bist das Körbchen dieses brennenden Brotes, und du bist der Kelch dieses Weines; o Maria, du hast in deinem Mutterleib diese Frucht erzeugt, die jetzt unsere Darbringung ist.". Und ebenso: „O Jungfrau Maria, du hast Frucht werden lassen, was wir jetzt essen, und hast uns gegeben, was wir jetzt trinken. Dieses Brot kommt von dir und schenkt denen Leben und Heil, die es voller Glauben essen."

Schon immer wurde in der Orientalischen und der Westlichen Kirche dieses Bekenntnis der Beziehung zwischen der Heiligen Jungfrau Maria und der Eucharistie gemacht, sowohl was die Gegenwart, wie auch das Opfer betrifft. Auf eine nicht allzu übertriebene Weise können wir ebenso sagen, dass wir jedes Mal dann, wenn wir den Leib und das Blut des Herrn empfangen, keinesfalls mit Christus auf die Gemeinschaft mit der Hl. Jungfrau Maria verzichten können. Für eine authentische Verehrung scheint mir diese Tatsache grundsätzlich.

Welchen Beitrag leistet der marianische Kult dem eucharistischen Kult, und umgekehrt?

--P. Jesus Castellano: Es herrscht eine intensive Wechselseitigkeit zwischen dem Geheimnis Christi und dem Geheimnis Mariens. Die Hl. Jungfrau ist ab dem Augenblick der Menschwerdung, wo Er in ihren Mutterleib herabstieg, bis zur Himmelfahrt, wo Er zu seinem Vater hinaufstieg, die einzige Zeugin des ganzen Geheimnis Jesu. Nur Sie verfügt über alle Geheimnisse des Lebens ihres Sohnes, die sie in ihrem Herzen aufbewahrt und danach an uns alle weitergibt. Die Apostel empfingen sehr viel von Ihr, vor allem was die Anfänge, die Menschwerdung und das Leben in Nazareth betrifft.

Niemand versteht Jesus so sehr wie Sie und niemand kann Ihn uns so gut verständlich machen wie sie. Vielleicht besitzt der Evangelist Johannes gerad aus diesem Grund eine so tiefe und so vollkommene Kenntnis über Jesus: was die Tiefe seiner Göttlichkeit, das Fleischgewordene Wort, Christus als Licht und Leben betrifft. Vielleicht ist all das Frucht davon, dass Johannes der Heiligen Jungfrau anvertraut wurde. Eine Erneuerung des marianischen Kultes, ein besseres Wertschätzen, was Sie tatsächlich bedeutet, ist für uns ebenfalls eine Garantie, Jesus besser kennen zu lernen. Auf diese Weise können wir Betrachter seines Geheimnisses und mit Ihm tiefer verbunden sein. Maria hilft uns in eine Tiefe einzudringen, die nur Sie bezüglich des Verständnisses ihres Sohnes haben kann, und das Sie an all jene weitergeben möchte, die in das Geheimnis Jesu, in das Innerste des Leben Jesu eindringen möchten.

Könnte somit die Entwertung des marianischen Kultes die Entwertung des Geheimnisses der Eucharistie beinhalten, wie es bei den von der Katholischen Kirche getrennten Kirchen geschehen ist?

P. Jesus Castellano: Könnte sein, ich wüsste jetzt nicht darauf zu antworten... Doch worauf ich schon antworten kann ist, dass eine katholische, wie auch eine orthodoxe Sichtweise der Rolle der Heiligen Jungfrau Maria in der Kirche, uns die Fülle der Geheimnisse verstehen lässt. Wir können Maria nie ohne Kirche denken und ebenso wenig die Kirche ohne Maria.

Ständig müssen wir uns daran erinnern, was uns gleich am Anfang der Apostelgeschichte erklärt wird: Maria verharrte in Gemeinschaft mit den Aposteln beharrlich im Gebet. Maria ist die Person, die dem Geheimnis ihres Sohnes all den tiefen Sinn verleiht. Wie uns Johannes Paul II. in Redemptoris Mater erklärt, bringt Maria die Gläubigen zur Eucharistie, den der große Wunsch der Mutter ist es, die Kinder, die ihr Jesus anvertraut hat, zur vollständigen Kenntnis Christi zu führen. Und ich glaube, dass wir, bis wir nicht die Eucharistie entdecken, keine vollständige Kenntnis von Christus besitzen. Aus diesem Grund ist Maria Garantie für einen eucharistischen Glauben, Garantie für die Gemeinschaft der Kirche und Garantie für die ganze Vollständigkeit des Geheimnisses.

Und mit demselben Realismus, mit dem Maria in ihrem Mutterleib das fleischgewordene Wort Gottes heranwachsen fühlte, lädt Sie uns ein, Jesus in der Eucharistie zu sehen, in der Er tatsächlich gegenwärtig ist. Und mit demselben betrachtenden Blick, mit dem Maria ihren Sohn am Kreuz sah, hilft Sie uns das Geheimnis der Eucharistie, als großes Liebesgeheimnis Jesu, der für uns seinen Leib und sein Blut gegeben hat, zu betrachten. Und wie sich Maria an der Auferstehung ihres Sohnes erfreute und jetzt auferstanden und verherrlicht wie Christus in der Gegenwart des Vaters ist, hilft sie uns die Gegenwart des Auferstandenen Christus in der Eucharistie zu verstehen. Maria führt uns eben zu einem vollen Verständnis der Eucharistie.