DOGMEN

Welche Bedeutung hat der Titel Theotokos?
Was Glauben Katholiken bezüglich der Jungfräulichkeit Marias?
Sollte die immer-währende Jungfräulichkeit Marias als Dogma verkündet werden?
Wie Sind Marias Verlobung und Ihre Gelobte Jungfräulichkeit Miteinander Vereinbar?
Welche schriftlichen Quellen verweisen auf den Glauben der frühen Kirche an die Immerwährende Jungfräulichkeit Marias?
Wird Man Exkommuniziert, Wenn Man Nicht an Die Jungfräulichkeit Marias Glaubt?
Gibt Es Schriftliche Quellen,Die Auf den Glauben der Frühen Kirche an Die Immerwährende Jungfräulichkeit Marias Hinweisen?
Welche Biblischen Texte Untermauern Das Dogma Der Aufnahme Marias in den Himmel?


Q: WELCHE BEDEUTUNG HAT DER TITEL MARIAS: THEOTOKOS?

A: Theotokos leitet sich von den griechischen Bezeichnungen: Theos = Gott und tiktein = gebären her. Maria ist die Theotokos, d.h. Gottesgebärerin. Dieses eine Wort fasst die Bedeutung des Ausdrucks von Lukas zusammen: „Mutter des Herrn“(Lk 1,43) und stellt einen Kontrapunkt zur Lehre des Johannes dar, dass das „Wort Fleisch geworden ist“ (Joh 1,14). Gewöhnlich wird der Ausdruck ins Deutsche mit Mutter Gottes oder Gottesmutter übersetzt.

Griechisch sprechende Christen verwendeten jedoch auch das Gegenstück Meter Theiou. Die letztere Form beinhaltet eine umfassendere und personalistische Auffassung der Mutterschaft Marias.

Der Titel Mutter Gottes scheint zuerst in der liturgischen und frommen Praxis von Christen in Ägypten verwendet worden sein. Er erscheint in dem antiken Gebet Sub Tuum Praesidium, das bis auf das dritte Jahrhundert zurückgeht. Kontroversen über die Verwendung dieses Titels wurden wach, weil die heidnische Göttin Isis auch als Mutter Gottes bezeichnet wurde. Es gibt jedoch grundlegende Unterschiede zwischen den Mythen über göttliche Geburten von heidnischen Göttinnen (z.B. Isis, die Mutter des Horus) und den Evangeliumsberichten über die Menschwerdung Jesu in Maria. Zum Beispiel schildern die Evangelien Jesus als von Maria durch den Heiligen Geist empfangen,während die heidnischen Mythen die Empfängnis der Götter in Leidenschaft und losgelöst von der geheimnisvollen Bestimmung der Menschwerdung schildern.

Dennoch wurde der Titel Mutter Gottes in einem alexandrinischen Glaubensbekenntnis gebraucht. Als er 322 in Frage gestellt wurde, verteidigte Patriarch Peter von Alexandria seine Berechtigung. Der Gebrauch des Titels Theotokos wurde feierlich durch das Ökumenische Konzil von Ephesus im Jahre 431 verkündet. Die Kirche erklärte, dass sowohl die göttliche als auch die menschliche Natur in der Person Jesu, dem Sohne Marias, vereint waren. Deshalb kann Maria Theotokos genannt werden,weil ihr Sohn Jesus, den sie dem Fleische nach geboren hat,wahrhaft eine der göttlichen Personen der Dreifaltigkeit ist. Dieser marianische Titel ist wahrhaft eine christologische Aussage,die bekräftigt, dass die zweite Person der Dreifaltigkeit, die in die Geschichte als Mensch geboren wurde, wahrhaft „Gott mit uns“ ist.

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Q: WAS GLAUBEN DIE KATHOLIKEN ÜBER DIE JUNGFRÄULICHKEIT MARIAS?

A: Gestützt auf die Heilige Schrift (Mt 1,18. Lk 1,27 und 1,35) und die uralten Glaubensbekenntnisse, halten Katholiken daran fest, dass Jesus, der Sohn Gottes, durch den Heiligen Geist empfangen und von Maria entbunden wurde,wie es durch den Engel Gabriel bei der Verkündigung vorhergesagt wurde, und dass Maria ihr ganzes Leben hindurch Jungfrau blieb. Marianische Gelehrte und Forscher schreiben, dass die jungfräuliche Empfängnis Marias ein sichtbares Zeichen der Teilnahme Gottes am Kommen Jesu ist und ist nicht als eine anti sexuelle Botschaft gedacht. Im Gegenteil, sie bekräftigen die normale Empfängnis in der Ehe als ein heiliger Akt.

Es gibt verschiedene Stellen in der Bibel, die auf die Brüder und Schwestern Jesu verweisen, und verschiedene Erklärungen sind entwickelt worden, um jene Stellen zu erklären. Laut Pater Bertrand Buby,S. M., einem marianischen Gelehrten und Verfasser, einige christliche Traditionen glauben, dass sie Blutbrüder Jesu sind; andere deuten sie als Cousins Jesu, und eine weitere Gruppe sieht sie als Kinder aus einer vorhergehenden Ehe Josefs.

Nach katholischer Tradition hatte Maria kein anderes Kind als Jesus,“ schreibt Buby. Die Brüder und Schwestern verweisen auf die ausgedehnte Familie Jesu. Eine neuere Interpretation ist, dass Brüder und Schwestern auf eine größere Gemeinschaft von Gläubigen und Jünger verweisen.

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Q: Sollte die immer-währende Jungfräulichkeit Marias als Dogma verkündet werden? Welchen tieferen Sinn hat diese Lehre?

A: Diese Doktrin wurde bis zum späten vierten Jahrhundert heftig diskutiert bis sich ein allgemeiner Konsens entwickelte. Die ältesten Zeugen für eine immer-währende Jungfräulichkeit Marias sind im apokryphischen Proto- Evangelium des Jakobus (um 150) beschrieben. Tertullian (gestorben um 220) lehnte die Jungfräulichkeit Marias nach der Geburt Jesu ab. Origenes (gestorben 254) lehrte im Gegensatz dazu Marias immer-währende Jungfräulichkeit. In der Ostkirche verteidigte der heilige Athanasius heftig die Jungfräulichkeit Marias nach der Geburt Jesu. Kurz danach akzeptierte der heilige Basil der Große (gestorben um 380) die immer-währende Jungfräulichkeit Marias und machte geltend, dass es die allgemeine Überzeugung der Gläubigen reflektiert; er betrachtete diese Lehre jedoch nicht als Dogma.

Zur gleichen Zeit leugneten im Abendland Jovinian und Helvidius die immer-währende Jungfräulichkeit, während Ambrosius (gest. 397), Hieronymus (gest.420) und Augustinus (gest. 430) sie standhaft verteidigten. Nach dieser Zeit verbreitete sich überall das Mönchstum und der Wert der geweihten Jungfräulichkeit wurde besser bekannt und wurde weithin akzeptiert. Allgemeine Übereinkunft und deutliche Lehre über die Jungfräulichkeit Marias folgten.

Die offiziellen Urkunden des Fünften Ökumenischen Konzils, das in Konstantinopel im Jahre 553 abgehalten wurde, weisen auf Maria als aeiparthenos (d.h. Jungfrau für immer) hin. Ein anathema verdammt z.B. jene, die leugnen

dass die Geburt dieser letzten Tage, als das Wort Gottes aus dem Himmel herab kam und aus der heiligen und glorreichen Maria, der Mutter Gottes und immer-währenden Jungfrau, Mensch wurde und von ihr geboren wurde...

Diese Aussagen wurden nicht unter einer Bezugnahme auf eine direkte Diskussion über die Jungfräulichkeit Marias gemacht. Deshalb behaupten einige, dass diese Aussage keine dogmatische Definition war, auch wenn es in einem offiziellen Dokument veröffentlicht wurde. Für Katholiken können solche Definitionen durch das Bischofskollegium, in Gemeinschaft mit dem Papst, dem Bischof von Rom, gemacht werden. Solche Definitionen müssen wenigstens indirekt in der Offenbarung beinhaltet sein, die mit dem Tod der Apostel beendet wurde.

Obwohl es kein Ökumenisches Konzil war, veröffentlichte das Laterankonzil, das von Papst Martin I im Jahr 649 ausgerufen wurde, ,,auch eine wichtige Aussage, die die lebenslange Jungfräulichkeit bekräftigte:

Wenn jemand nicht, den Heiligen Vätern gemäß, wahrhaftig und auf die richtige Art und Weise bekennt, dass die heilige Maria, die immer-währende und unbefleckte Jungfrau, die Mutter Gottes ist, weil sie in den letzten Tagen in Wahrheit ohne menschlichen Samen vom Heiligen Geist, Gott, das Wort selbst empfangen hat, der vor aller Zeit von Gott, dem Vater, geboren worden ist und ihn ohne Verderbnis geboren hat, ihre Jungfräulichkeit, die nach der Geburt gleichermaßen unangetastet blieb, dann lasst ihn verdammt sein.

Nach Konstantinopel II wurde der Titel allgemein von der Kirche akzeptiert. Obwohl bereits präsent in gewissen liturgischen Kontexten, wurden damals Hinweise auf die immer-währende Jungfräulichkeit Marias allgemein im liturgischen Leben der Kirche propagiert. Deshalb scheint es nicht konstruktiv zu sein,wenn man den Status des Dogmas als einer Definition in Frage stellt.

Viele andere Lehren, die zum Schatz des Glaubens gehören, wurden ebenso nicht unbedingt durch eine offizielle dogmatische Definition (z. B. Unsterblichkeit der Seele) bestätigt worden sein. Dies ist oft mit Lehren der Fall, die niemals ernsthaft angefochten worden sind.

Es gibt andere Normen, mit denen die Kirche die Sicherheit hat, dass eine Lehre unfehlbar von Gott offenbart worden ist: consensus fidelium (d.h. allgemeine Übereinstimmung zwischen dem gesamten Leib der Gläubigen) „von den Bischöfen abwärts bis zum letzten gläubigen Laien“ (Lumen Gentium 12); und das ordentliche Magisterium (z. B. häufige maßgebende Lehren, die eine Perspektive über ein Thema bestätigen, das vom Papst allein oder allgemein durch das Episkopat betätigt wird). Über das Thema der immer-währenden Jungfräulichkeit Marias haben wir die zweifache Gewissheit, dass die Lehre als unfehlbar im Lichte der Aussage des Fünften Oekumenischen Konzils und dank ihres fortwährenden Gebrauchs im Leben der Kirche danach betrachtet werden kann (z.B. Konsens der Gläubigen und dem universalen ordentlichen Magisterium).

Das Dogma der immer-währenden Jungfräulichkeit Marias ist nicht nur ein Verweis auf eine historische Tatsache. Diese historische Tatsache hat einen tieferen Sinn,eine spirituelle Dimension. Er spricht von dem radikalen Charakter ihrer Gottbezogenheit. Das Leben Marias existiert nur für, in und durch Gott. Ferner spricht es über die Einzigartigkeit des Christus Geschehens. Diese Lehre veranschaulicht außerdem den Charakter Marias als Typus der Kirche:

Denn die Kirche ist die Braut Christi, wie es eindeutig aus den Briefen des heiligen Paulus (vgl. Eph 5,21-33; 2 Kor 11,2) und aus dem bei Johannes gefundenen Titel: „Braut des Lammes“ (Offb 21,9) hervorgeht. Wenn die Kirche als Braut „die Treue hält, die sie Christus gelobt hat,“ hat diese Treue, auch wenn sie in der Lehre des Apostels zu einem Abbild der Ehe geworden ist (vgl. Eph 5,23-33), außerdem einen Wert als Vorbild totaler Selbsthingabe an Gott im Zölibat „im Hinblick auf das himmlische Königreich,“ das in Jungfräulichkeit Gott geweiht ist (vgl Mt 19,11-12; 2 Kor 11,2). Genau eine solche Jungfräulichkeit nach dem Vorbild der Jungfrau von Nazaret ist die Quelle einer besonderen spirituellen Fruchtbarkeit: sie ist die Quelle der Mutterschaft durch den Heiligen Geist (siehe Redemptoris Mater 43).

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Q: WIE SIND MARIAS VERLOBUNG UND IHRE GELOBTE JUNGFRÄULICHKEIT MITEINANDER VEREINBAR?

A: Marias Verlobung mit Josef ist in erster Linie sozio-kultureller Natur. Die jüdische Tradition empfiehlt eine vorher abgesprochene Verlobung und Ehe. Selbst, wenn Maria für sich Jungfräulichkeit gelobt hatte, würde deshalb dies ihren Vater nicht abgehalten haben, ihre zukünftige Ehe zu vereinbaren.

Das sogernannte Gelübde der Jungfräulichkeit wird im apokryphischen Evangelium des Jakobus (um 150) nicht als Gelübde, sondern als Gegebenheit erwähnt. Erst Augustinus spricht deutlich von einem Gelübde ausgeführt: „Quod profecto non diceret (Marias Antwort an den Engel in Lukas 1, 34), nisi Deo virginem se ante vovisse“ (PL 40, 398). Die Heilige Schrift jedoch verweist nicht auf ein Gelübde der Jungfräulichkeit. Marias Einwand (weil ich eine Jungfrau bin) ist als Frage Marias zu verstehen, wie dies alles möglich ist, da sie keine ehelichen Beziehungen mit Josef hat. Die Lehre oder das Lehramt der Kirche hat niemals die Frage des Gelübdes der Jungfräulichkeit Marias angesprochen.

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Q: Welche schriftlichen Quellen verweisen auf den Glauben der frühen Kirche an die Immerwährende Jungfräulichkeit Marias?

A: Diskussionen über die Jungfräulichkeit Marias kamen deswegen auf, um die Jungfräulichkeit Marias während dreier Perioden zu prüfen:

ante partum das heißt vor der Geburt Christi);
in partu (das heißt während der Entbindung Christi) und
post partum (das heißt nach der Geburt Christi).

Die besten Quellen über die Jungfräulichkeit Marias vor der Geburt Jesu sind die Kindheitserzählungen in den Evangelien von Matthäus und Lukas, die gewöhnlich um das Jahr 80 AD datiert sind. Es gibt auch verschiedene Schriften vor 350 sowohl über Marias virginitas in partu als auch über ihre virginitas post partum, die sich auf die biblische Reflektion über Marias virginitas ante partum ausdehnen.

Die ersten Zeugnisse werden in den Apokryphen um ungefähr 150 gefunden, insbesondere im Protoevangelium des Jakobus, im Buch der Sybillen, in der Himmelfahrt des Jesaja und in der Petrusgeschichte (siehe Corp. Mar. I, 131 -158). Diese apokryphischen Texte können nicht als eine ausreichende dogmatische Rechtfertigung für die lebenslange Jungfräulichkeit Marias betrachtet werden. Sie weisen jedoch daraufhin wie breit gestreut die Überzeugung über diesen Punkt unter den frühen Christen war.

Es gibt Andeutungen, dass Irenaeus (gest. um 220) und Justinus (gest. um 165) auf die virginitas in partu von Maria hingewiesen haben dürften, aber es gibt keine eindeutigen Aussagen von anderen Verfassern. Origines (gest. 254) dürfte der erste gewesen sein, der in seinem Kommentar zum Protoevangelium des Jakobus die lebenslange Jungfräulichkeit bekräftigte (siehe: PG 14, 320; siehe auch Corp. Mar. 265; GCS 38, 42 f; PG 13, 1631). Klemens von Alexandrien (gest. um 215) akzeptierte das Protoevangelium des Jakobus problemlos zusammen mit seiner Sichtweise über Maria als immerwährende Jungfrau. Tertullian (gest. um 200) jedoch lehnte das apokryphische Protoevangelium und damit die virginitas in partu Marias und ihre virginitas post partum ab (siehe De carne Christi, 23).

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 Q: WIRD MAN EXKOMMUNIZIERT, WENN MAN NICHT AN DIE JUNGFRÄULICHKEIT MARIAS GLAUBT?

A: Ich stimme zu, dass die Exkommunikation nicht die beste pädagogische und psychologische Lösung ist, um Schwierigkeiten zu lösen, die den Glauben betreffen. Der Glaube sollte nicht als eine entweder - oder Situation vereinfacht werden. Viele von uns, ja, ich möchte sagen, alle ohne Ausnahme hegen Zweifel, haben Fragen oder erleben rebellische Augenblicke in unserem religiösen Leben, was nicht zu einer automatischen Exkommunikation führt. Ein Großteil dessen, was wir Glauben nennen, ist in Wahrheit ein radikaler Hunger danach, glauben zu können, ein starkes Verlangen zu glauben, denn die Wirklichkeiten des Glaubens machen keinen großen Sinn, wenn sie nur mit menschlicher Klugheit gemessen werden.

Letztendlich ist unser Glaube auf Liebe gegründet und von ihr durchtränkt. Wir glauben, weil wir lieben. Wir akzeptieren dogmatische Aussagen über Gott, weil wir ihn als eine personale und lebendige Wirklichkeit lieben. Diese Liebe hilft uns, intellektuelle Dunkelheit, sowie Zweifel und sogar vorkommende Leugnung einzelner Glaubensartikel zu akzeptieren. Die menschliche Liebe mag als ein Vergleich dienen. Haben Sie jemals eine menschliche Liebe erlebt, die absolut gegen Prüfung und harte Umstände geschützt war? Die menschliche Person ist unerforschlich und die Person Gottes ist unvergleichbar. Jedes mal, wenn wir die Liebe und den Glauben voneinander trennen, sind wir in Schwierigkeiten, denn der Glaube hat diese beiden Facetten: Vertrauen (Liebe) und Festhalten oder Zustimmung.

Die Jungfräulichkeit Marias ist davon nicht ausgenommen. Zur Erinnerung: Die frühen Protestanten, vor allem die Gründungsväter, glaubten fest an die Jungfräulichkeit Marias (jungfräuliche Geburt und immer-währende Jungfräulichkeit). Die wesentlichen protestantischen Konfessionen halten an der jungfräulichen Geburt auch heute noch fest. Es gibt keine Art und Weise, um wissenschaftlich die Jungfräulichkeit Marias zu erklären. Maria hinterließ uns keinen medizinischen Bericht oder eine Beschreibung ihrer Geburtserfahrung.

Unsere Kenntnis hängt lediglich von der Bereitwilligkeit ab, in das Ganze der gott-menschlichen Beziehung einzutreten, wie sie in Jesus Christus wahr geworden ist.

Die Menschwerdung Christi ist die beispiellose Gegenwart Gottes im menschlichen Fleisch, und sie wird als hypostatische Union bezeichnet, was nur ein liebendes Herz ermessen kann. Ich sage nicht, dass diese Einstellung die Jungfräulichkeit vollends erklärt. Nein, aber sie schafft einen Kontext, von dem ein besseres Verständnis des Geheimnisses erreicht werden kann.

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Q: GIBT ES SCHRIFTLICHE QUELLEN, DIE AUF DEN GLAUBEN DER FRÜHEN KIRCHE AN DIE IMMERWÄHRENDE JUNGFRÄULICHKEIT MARIAS HINWEISEN?

A: In der theologischen Diskussion wird die Jungfräulichkeit Marias in drei Perioden debattiert: ante partum d.h. vor der Geburt Christi; in partu d.h. während der Entbindung Christi und post partum d.h. nach der Geburt Christi. Ihre Frage bezieht sich auf Marias virginitas post partum.

Die besten Quellen über die Jungfräulichkeit Marias vor der Geburt Jesu sind die Kindheitserzählungen von Matthäus und Lukas in den Evangelien, die gewöhnlich um das Jahr 80 A.D. datiert sind. Es gibt auch verschiedene Schriften vor 350 sowohl über Marias virginitas in partu als auch über ihre virginitas post partum, die sich auf die biblische Reflektion über Marias virginitas ante partum ausdehnen.

Die ersten Zeugnisse werden in den Apokryphen um ungefähr 150 gefunden, insbesondere im Protoevangelium des Jakobus, im Buch der Sybillen, in der Auffahrt des Jesaja und in der Petrusgeschichte (siehe Corp. Mar. I, 131-158). Diese apokryphischen Texte können nicht als eine ausreichende dogmatische Rechtfertigung für die lebenslange Jungfräulichkeit Marias betrachtet werden. Sie weisen jedoch daraufhin wie breit gestreut die Überzeugung unter den frühen Christen bezüglich der immer währenden Jungfräulichkeit war.

Es gibt Andeutungen, dass Irenaeus (gest. um 220) und Justinus (gest. um 165) auf die virginitas in partu von Maria hingewiesen haben dürften; ansonsten aber kennen wir keine eindeutigen Aussagen von anderen Verfassern. Origines (gest. 254) dürfte der erste gewesen sein, der die lebenslange Jungfräulichkeit Mariens bekräftigte (siehe: PG 14,320), indem er sich auf das Protoevangelium des Jakobus bezog (siehe auch Corp. Mar. 265; GCS 38, 42 f; PG 13, 1631). Klemens von Alexandria (gest. um 215) akzeptierte das Protoevangelium des Jakobus problemlos zusammen mit seiner Sichtweise über Maria als immer-währende Jungfrau. Tertullian (gest. um 200) jedoch lehnte das apokryphische Protoevangelium und damit die virginitas in partu Marias und ihre virginitas post partum ab (siehe De carne Christi, 23).

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Q: WELCHE BIBLISCHEN TEXTE UNTERMAUERN DAS DOGMA DER AUFNAHME MARIAS IN DEN HIMMEL?

A: Wie das Dogma der Unbefleckten Empfängnis Marias, ist auch das Dogma der Aufnahme in den Himmel nicht deutlich in der Bibel bekundet. Die Lehre, dass „Maria am Ende ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde,“ wurde von Pius XII. im Jahre 1950 in der Bulle Munificentissimus Deus als Dogma definiert. Dieser Text erwähnt viele „heilige Schriftsteller, die ... mit Worten der Heiligen Schrift und mancherlei Vergleichen oder Gleichnissen den frommen Glauben an die Aufnahme Marias in den Himmel erläuterten ...“ (29).

Obwohl er einräumte, dass diese „Theologen und Prediger ... Ereignisse und Worte der Heiligen Schrift mit einer gewissen Freiheit heranziehen, um ihren Glauben an die Aufnahme Marias in den Himmel zu erläutern“ (26), berief sich Pius XII. auf seinen göttlichen Auftrag, den er mit der Definition des Dogmas der Aufnahme Marias in den Himmel erfüllte: „den Glaubensinhalt, gewissenhaft bewahren und treu auslegen“ und nicht „eine neue Lehre [zu] verkünden“ (12). Die katholische Kirche glaubt, dass dieses Dogma in der Heiligen Schrift oder in der apostolischen Tradition wenigstens indirekt grundgelegt ist. Deshalb mögen biblische Interpretationen, die an Maria durch „prophetische Erweiterungen“ angepasst wurden, berechtigt sein; und zwar nicht wegen des akademischen Beweises oder „in rein menschlicher Betätigung,“ sondern „unter dem Beistand des Geistes der Wahrheit“ (12) in der Kirche.

Im folgenden stellen wir eine Auswahl der biblischen Texte vor, die in der Bulle verwendet werden, um die Doktrin der Aufnahme Marias in den Himmel zu veranschaulichen:

Erhebe dich, o Herr, komm an den Ort deiner Ruhe,du und deine machtvolle Lade! (Ps 131, 8)
Wer ist sie (die Braut des Hohenliedes), die da aus der Steppe heraufsteigt,in Säulen von Rauch, umwölkt von Myrrhe und Weihrauch...? (Hld 3, 6)
Die Frau mit der Sonne bekleidet (Offb 12)
Dann ehre ich den Platz, wo meine Füße ruhen (Jes 61, 13)
Wer ist sie, die aus der Steppe heraufsteigt, auf ihren Geliebten gestützt? (Hld 8, 5)

Betrachten wir nun wie diese Bibelstellen mit dem Dogma der Aufnahme in den Himmel verbunden werden können. Kommentatoren haben Maria oft mit der Braut im Hohenlied verglichen. Ihr Aufsteigen zu Gott wie Weihrauch oder ihr Heraufkommen, um sich auf ihren Geliebten zu stützen, könnte als Aufnahme in die Gemeinschaft mit Jesus gedeutet werden. Maria wird auch mit der Bundeslade verglichen, da sie das Ewige Wort in ihrem Leib trug. Daher könnte sich das Erheben, um mit dem Herrn zu ruhen, auf Marias Aufnahme in den Himmel beziehen. Die Frau der Apokalypse erschien als „ein großes Zeichen am Himmel.“ Maria wird im Johannesevangelium die „Frau“ genannt. Bei ihrer Aufnahme in den Himmel wird von ihr gesagt, dass sie „in die himmlische Herrlichkeit“ eintritt. Offenbarung 12 könnte eine dichterische Beschreibung dieser Umstände sein. Schließlich war der in Jesaja 61 erwähnte Ort für die Füße des Herrn, sein Ruheplatz bei der Menschwerdung, Maria. Die erwähnte Verherrlichung könnte auf die Verherrlichung im Himmel verweisen.

Die Bulle bietet auch eine Anzahl von biblisch begründeten Argumenten als Unetrstützung für die Angemessenheit der Aufnahme Marias in den Himmel an. Zum Beispiel die Fülle der Gnade, die Maria in Lukas 1,28 zugeschrieben wird und die Interpretation von Genesis 3,15, dass Maria „von dem vierfachen Fluch,der auf Eva gelegt worden war, verschont wurde“ (30; z.B. der leibliche Tod und die Verwesung ihres Körpers). Auch das Gebot, die Eltern zu ehren (vgl. Ex 20,11), wurde dahingehend ausgelegt, dass Jesus seine Mutter durch ihre Himmelfahrt ehren wollte (vgl 35). Schließlich ist die leibliche Auferstehung, die durch die Auferstehung Jesu erlangt wurde, in der „der Tod vom Sieg verschlungen wird,“ (1Kor 15,54) auf Maria sowie auf alle Gläubige zutreffend.

Da jedoch die Heilige Schrift und die Tradition die enge Verbindung zwischen Jesus und seiner Mutter auf Erden anzeigen, wurde angenommen, dass die Verbindung zwischen der leiblichen Auferstehung Jesu und der Anteilnahme Marias gleichermaßen eng ist. Nichts davon kann als eindeutiger biblischer Beweis für die Doktrin der Aufnahme Marias in den Himmel geltend gemacht werden. Ihr Status als unfehlbar geoffenbartes Dogma beruht vorwiegend auf der lebendigen Autorität der Kirche als Interpret der Heiligen Schrift, besonders was ihre Richtigkeit und ihre allumfassende Entschiedenheit anbelangt. Die katholische Kirche schätzt jedoch dieses marianische Privileg, das „übereinstimme mit den von Gott geoffenbarten Lehren, die uns die Heilige Schrift überliefert“ (24).

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