Marienleben

Q: Gibt uns die Liturgie irgendwelche Hinweise über das Leben Marias?

A: Einige Ereignisse, die das Leben Marias betreffen, werden während den jährlichen liturgischen Zyklen der katholischen, orthodoxen und anderen christlichen Kirchen gefeiert. Einige der bedeutendsten Feiern der gegenwärtigen Kalender werden unten besprochen. Eine Zusammenfassung wird am Ende gegeben.

8. Dezember

Das römisch katholische Fest der Unbefleckten Empfängnis Marias feiert die Ursprünge des irdischen Lebens Marias. Obwohl nicht in der Heiligen Schrift erwähnt, ist der geschichtliche Ursprung des Lebens der Mutter Jesu eine unbestreitbare Tatsache.

Unter dem Titel Die Empfängnis der Hl. Anna (als sie die Theotokos empfing) wurde dieses Fest am 9. Dezember nach einigen Angaben schon im 6. Jahrhundert im christlichen Orient gefeiert. Der eigentliche Anfang des Lebens von Maria, nämlich ihre Empfängnis durch ihre Eltern wurde als ein heiliges und gesegnetes Geschehen mit großer Bedeutsamkeit für die Heilsgeschichte betrachtet. Als das Fest auch im Westen Verbreitung fand (und auf den 8. Dezember fiel), wurde die einmalige Heiligkeit dieses Geschehens betont. 1854 definierte Papst Pius IX als römisch - katholisches Dogma den Glaubenssatz, dass Maria vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis an, das persönliche Vorrecht des Freiseins von der Erbsünde im Anbetracht auf die vorhergesehen Verdienste Christi verliehen wurde. Die Proklamation des katholischen Dogmas der Unbefleckten Empfängnis Marias wurde im Apostolischen Schreiben Ineffabilis Deus definiert.

8. September

Am 8. September, neun Monate nach dem Fest der Empfängnis Marias, feiert die Kirche ihre Geburt; , eine weitere historische Gewissheit nur in der impliziert. Diese liturgische Gedächtnisfeier entstand im vierten Jahrhundert im Osten. Viele der Angaben, die die Liturgie den Gläubigen darbietet, sind durch das apokryphische Protevangelium Jacobi (ca. 150 AD) beeinflusst worden.

Zum Beispiel fehlen die Namen der Eltern Marias, Anna und Joachim, in den kanonischen Schriften. Das Protevangelium Jacobi ist das erste apostolisches Zeugnis, das diese Tatsache bestätigt. Die Kirche stellt dieses Dokument nicht auf die gleiche Ebene wie die Heilige Schrift. Es ist jedoch möglich, die geistige Wahrheit zu akzeptieren, die diesem Bericht zu Grunde liegt, ohne notwendigerweise jeder Einzelheit eine literarische und historische Genauigkeit zuzuschreiben. Die tiefere Bedeutung der Geschichte ist, dass vom Augenblick ihrer Geburt an (genauer gesagt von ihrer unbefleckten Empfängnis an) die Mutter Gottes in besonderer Weise der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht war, d.h. von Gott auserwählt und vorher bestimmt.

21. November

Am 21. November feiert die katholische Kirche das Gedächtnis der Darstelllung Marias im Tempel (die östliche Bezeichnung: das Eintreten der Theotokos in den Tempel). Genauso wie bei Empfängnis und Geburt Marias haben bestimmte Angaben keine deutliche apostolische Begründung und können nicht früher als das Protevangelium Jacobi gefunden werden. Da uns die Heilige Schrift über priesterliche Verwandte Marias in Kenntnis setzt, scheint eine Erzählung plausibel, die von dem besonderen Anlass berichtet, da Maria in Jerusalem Gott empfohlen wurde. Marias offensichtliche jüdische Frömmigkeit lässt auf eine gleichartige Neigung ihrer Eltern schließen. Abgesehen von den apokryphischen Einzel-heiten und der akademischen Schlussfolgerung besteht die symbolische Bedeutung dieses Festes darin, die vollkommene Hingabe Marias an Gott zum Ausdruck zu bringen, was ihre Bereitschaft zur zukünftigen Berufung als Mutter des menschgewordenen Gottes einschliesst.

25. März

Am 25. März feiert die Kirche die Verkündigung der Menschwerdung durch Gabriel an Maria. Dieses Fest gedenkt der Geschehnisse, die im Lukasevangelium (Lk 1, 26 – 38) berichtet werden. Das Datum fällt oftmals in die Fastenzeit. Dennoch erinnert dieses Fest an ein Geschehnis, das so zentral für die ganze Christenheit ist, dass der byzantinische Ritus eine festliche Liturgie auch für den Fall festlegt, wenn das Ereignis auf einen Karfreitag fallen sollte!

25. Dezember

Am 25. Dezember, neun Monate nach der Verkündigung, feiert die Kirche die Geburt Christi. Die Evangelien des Matthäus und des Lukas erzählen von vielen Einzelheiten dieses Ereignisses. Am 26 . Dezember feiert der byzantinische Ritus ein kleineres Fest (Synaxis) für Maria, das der Mutter des einen, dessen Geburt am Tag vorher gefeiert wurde, gewidmet ist. Der römische Ritus feiert dieses Fest am 1. Januar, dem letzten Tag der Weihnachtsoktav, als Hochfest der Gottesmutter Maria. An diesem Tag gedenken die orientalischen Kirchen der Beschneidung Jesu (vgl. Lk 2, 21), ein Fest, das auch marianische Bedeutung hat (vgl. 2. Februar).

6. Januar

Am 6. Januar feiert der römische Ritus das Fest der Epiphanie (griechisch für Erscheinung). Die Kirchen des Orients gedenken an diesem Tag der Taufe Christi im Jordan (vgl. Mt 3, 13 – 17; Mk 1, 9 – 11; Lk 3, 21 – 22; Joh 1, 24 – 37). Der Kalender des römischen Ritus enthält ein marianisches Element, indem er an die Anbetung der Weisen an diesem Tag erinnert (ebenso wie an die Taufe Christi). Der Hintergrund zu diesem Ereignis findet sich in Mt 2, 1 – 12.

2. Februar

Am 2. Februar, dem vierzigsten Tag nach Weihnachten, feiern die Christen das „Fest der Darstellung des Herrn im Tempel“ (im christlichen Orient „Begegnung des Herrn“ genannt). Dieses Fest gedenkt der Darstellung des Jesuskindes im Tempel von Jerusalem vierzig Tage nach seiner Geburt und seiner Begegnung mit dem betagten Simeon (vgl. Lk 2, 22 – 34). Dieses Fest wird auch Reinigung Marias genannt, denn von den jüdischen Müttern wurde verlangt, dass sie sich vierzig Tage nach der Geburt einem rituellen Reinigungsbad (Mikvah) unterziehen.

15. September

Die orientalischen christlichen Kirchen erinnern an die Schmerzen Marias während der Passion (vgl. Joh 19, 25). Für die römischen Katholiken ist der 15. September der Gedenktag der Schmerzen Unserer Lieben Frau.

15. August

Das liturgische Gedenken an das Entschlafen Marias (Dormitio oder Koimesis) entstand im christlichen Orient um das fünfte Jahrhundert,wahrscheinlich schon früher in Ephesus. Der Ort ihres Todes ist nicht bekannt. Jerusalem und Ephesus werden in alten Berichten erwähnt. Katholiken feiern die Krönung Marias am 22.August, dem Ende der Oktav ihrer Aufnahme in den Himmel.

Wie bei der Empfängnis und der Geburt Marias werden viele der mit diesem Ereignis verbundenen Einzelheiten nur in späteren apokryphischen Texten überliefert (z.B.Transitus Mariae aus dem fünften Jahrhundert). Obwohl es dem Geschehen an ausdrücklichem biblischem und apostolischem Rückhalt fehlt,ist die Tatsache, dass keine posthumen Reliquien von ihrem Leib existieren, sehr vielsagend.

1950 definierte Papst Pius XII die Aufnahme Marias in den Himmel als ein Dogma in der Bulle Munificentissimus Deus:

Die unbefleckte, immerwährend jungfräuliche Gottesmutter Maria ist, nachdem sie ihren irdischen Lebenslauf vollendet hatte, mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen worden.

Nachdem Maria in den Himmel eingetreten ist, ist sie weiterhin im Leben der Kirche aktiv geblieben.Viele Christen glauben, dass sie manchmal ihre mütterliche Zuwendung sichtbaren Erscheinungen und Wunderheilungen zum Ausdruck bringt. An einige dieser Ereignisse wird im liturgischen Kalender gedacht (z.B. Unsere Liebe Frau von Lourdes am 11.Februar).