Maria Himmelfahrt und krönung Mariens

ANDACHTSVOLLE ÜBERLEGUNGEN ZUR AUFNAHME MARIAS IN DEN HIMMEL

Maria Himmelfahrt und Krönung Mariens 1502-03 Raffael 1483-1520 Vatikan Sammlung

Der heilige Alphons von Liguori ist einer der Heiligen, der schreibt, dass Maria aus schierem Verlangen nach und aus Liebe zum Erlöser gestorben ist. Hier folgt ein Auszug aus seiner siebten Abhandlung: Von der Himmelfahrt Mariä.

Und siehe, nun kommt der Tod – nicht im Gewand der Trauer und Klage, wie zu den anderen Menschen, sondern umgeben von Licht und Frohlocken. Doch was sag’ ich Tod, was Tod? Nein, die göttliche Liebe kommt, den Faden dieses edlen Lebens abzuschneiden. Und wie eine Flamme vor dem Erlöschen unter letztem Aufflackern ihres Lichtes einen höheren Glanz verbreitet und dann erlischt, so haucht der schöne Schmetterling, geladen von dem Sohne, Ihm zu folgen, in Liebesflammen eingetaucht und mit Inbrunst seufzend den letzten grössten Liebesseufzer aus und stirbt. So löste sich die erhabene Seele, diese schöne Taube des Herrn von den Banden dieses Lebens und zog zur ewigen Herrlichkeit, wo sie als Königin des Paradieses thront und throne wird die ganze Ewigkeit hindurch.1

Betrachten wir nun die erste Begegnung des vom Himmel kommenden Heilandes und seiner Mutter, wie Er mit den Trostworten sie begrüßt: “stehe auf, eile meine Freundin, mein Taube, meine Schöne, und komme; denn der Winter ist vorüber und vergangen” (vgl. Hoheslied 2,10), verlasse dieses Tal der Tränen, wo du aus Liebe zu mir so viel gelitten hast. Komme vom Libanon, komme, du wirst gekrönt werden (Hoheslied 4, 8). Komme mit Leib und Seele, den Lohn deines heiligen Leidens zu genießen. Viel hast du auf Erden gelitten; unendlich großer aber ist die Herrlichkeit, die ich dir im Himmel bereitet. Komme, zu throne neben mir; komme die Krone zu empfangen, die ich dir, als der Königin der Welt verleihen werde.2

Die demütige und heilige Jungfrau, kniete dann nieder, betete die göttliche Majestät an, und im Bewusstsein ihrer eigenen totalen Nichtigkeit ganz in Anspruch genommen, dankte sie ihm für alle Gnaden, die ihr durch seine pure Güte gewährt worden waren und insbesondere dafür, dass er sie zur Mutter des ewigen Wortes erwählt hat.

Und so lasst ihn, der es kann, verstehen, mit welcher Liebe die Heiligste Dreifaltigkeit sie geheiligt hat. Lasst ihn die Begrüßung des Vaters für seine Tochter, des Sohnes für seine Mutter und des Heiligen Geistes für seine Braut verstehen. Der Vater krönte sie, indem er ihr seine Kraft verlieh; der Sohn übertrug ihr seine seine Weisheit und der Heilige Geist seine Liebe.

Liguori fährt fort, indem er uns auffordert, uns mit Maria zu erfreuen, weil Gott sie auf eine solche Weise verherrlicht hat. Aber der Heilige lädt uns auch ein, uns in eigener Sache zu freuen, “den hat uns auch Maria in ihrer glorreichen Himmelfahrt leiblicher Weise verlassen, so doch nicht mit ihrer Liebe”3

Aufnahme in den Himmel im Altarbild von Gent von Hubert Van Eyck (1366?-1426) und Jan Van Eyck (1380?-1441) im Jahre 1432 vervollständigt.

Wo ist Maria? Wo oder was ist dieser Himmel, in den sie aufgenommen wurde? Der Katechismus der katholischen Kirche definiert den Himmel folgendermaßen:

Dieses vollkommene Leben mit der Heiligsten Dreifaltigkeit – diese Gemeinschaft des Lebens und der Liebe mit der Heiligsten Dreifaltigkeit, mit der Jungfrau Maria, den Engeln und allen Heiligen --- wird Himmel genannt. Der Himmel ist das ultimativste Ende und die Vollendung der tiefsten menschlichen Sehnsüchte, dem Zustand der höchsten endgültigen Seligkeit (KKK 1024).

In Marialis Cultus schreibt Papst Paul VI., warum Maria um unseretwillen in den Himmel aufgenommen wurde:

Sie, die neue Frau, steht neben Christus, dem neuen Menschen, in dessen Geheimnis allein das Geheimnis des Menschen sein wahres Licht findet, als Unterpfand und Gewähr, dass in einem reinen Geschöpf – in ihr – sich der Plan Gottes in Christus zum Heil des ganzen Menschen verwirklicht hat. Dem heutigen Menschen, der nicht selten zwischen Angst und Hoffnung hin- und hergerissen wird, von der Erfahrung seiner Grenzen niedergedrückt und von grenzenlosen Erwartungen bestürmt wird, der in der Seele verstört und im Herzen geteilt ist, dessen Geist vom Rätsel des Todes geängstigt ist, der von der Einsamkeit gequält wird, während er nach Gemeinschaft strebt, von Überdruss und Langeweile erfasst wird, vermittelt die Jungfrau, wenn sie in ihrer biblischen Gestalt und in der von ihr in der Stadt Gottes bereits erlangten Wirklichkeit betrachtet wird, eine hoffnungsvolle Sicht und ein ermunterndes Wort: den Sieg der Hoffnung über die Angst, der Gemeinschaft über die Einsamkeit, des Friedens über die Verwirrung, der Freude und der Schönheit über die Langeweile und den Verdruß, der ewigen Dimensionen über die zeitlichen, des Lebens über den Tod.4



1. Alphons Maria von Liguori. Die Herrlichkeiten Mariä. aus dem Italienischen übersetzt von C.E. Schmöger. Regensburg: G.J. Manz, 1872, 397f.
2. Alphons Maria von Liguori. Die Herrlichkeiten Mariä. aus dem Italienischen übersetzt von C.E. Schmöger. Regensburg: G.J. Manz, 1872, 404f.
3. Alphons Maria von Liguori. Die Herrlichkeiten Mariä. aus dem Italienischen übersetzt von C.E. Schmöger. Regensburg: G.J. Manz, 1872, 413.
4. MC 57.