MUTTER DER NEUEN WELT

MUTTER DER NEUEN WELT

Englischer Originaltext von P. Johann G. Roten, SM


Die Bedeutung der Aufnahme in den Himmel stellt einen Höhepunkt und eine Neubeginn dar. Mit der Aufnahme in den Himmel wurden die Verheißungen des Herrn für Maria erfüllt und wie immer - jenseits aller Erwartung. Ihre Verherrlichung mit Leib und Seele ist das Resultat göttlicher Zuvorkommenheit und Anmut. Aber sie geschah auch gewissermaßen als logischer Abschluss ihrer Berufung auf Erden und der Art und Weise, wie sie lebte. Ihre göttliche Mutterschaft sowie ihre Unbefleckte Empfängnis und ihre fortwährende Jungfräulichkeit, die beide für ihre Berufung als Gottesgebärerin vonnöten sind, stehen in vollkommenem Einklang mit ihrer Aufnahme in den Himmel. Wie konnte ihr Leib in dem „das Wort Fleisch geworden ist,“ um den Leib zu erlösen, die Verderbnis des Grabes gekannt haben? Gleicherweise gilt: wie kann ihr Leib, der der Macht der Sünde vollkommen entkommen ist, verwesen? Gleiches gild für ihren Leib, der durch ihre jungfräuliche Weihe, ihrem Sohn und seiner Sendung auf eine vollkommene und außergewöhnliche Art und Weise gehörte.

Wenn jemand bis zum Äußersten ohne geringstes Nachlassen „Christus gefolgt“ ist, dann ist es Maria. Wie konnte Er dann nicht anders, als sie mit Leib und Seele in die Herrlichkeit zu sich zu nehmen, zu der das Kreuz der Weg und das Tor ist. Welch andere „Belohnung“ ist für Maria vorstellbar als diese unmittelbare und vollkommene Teilnahme am Leben des auferstandenen Herrn?

Dieser persönliche Höhepunkt der Erfahrung Marias ist jedoch zur gleichen Zeit ein Neubeginn. Jetzt befindet sich Maria im Ewigen Leben. Dies bedeutet die Freude und die Seligkeit, die aus dem Lieben und Anschauen Gottes kommt, der das Licht, das Leben und die Liebe ist. Es bedeutet auch die Fülle der Gemeinschaft mit allen, die Gott lieben, und allen, die Gott liebt. Und Gott liebt alles, was er geschaffen hat; die Schöpfung ist die Wirkung seiner Liebe. Aber wenn die Seligkeit des ewigen Lebens aller Erwählten im Himmel wahr ist, dann ist sie für Maria in einer ganz besonderen Weise wahr, nicht nur wegen der Vollkommenheit ihrer Herrlichkeit, sondern auch, weil ihre Aufnahme in den Himmel sie jetzt befähigt, ihre Seligkeit in der Fülle ihrer verherrlichten Menschheit zu leben.

Und das kennzeichnet nicht das Ende des „Dienstes.“ Im Gegenteil! Jetzt konnte ihr Dienst seine universalen Dimensionen bekommen. Das Zweite Vatikanische Konzil erinnert uns daran:

In den Himmel aufgenommen, hat sie diesen heilbringenden Auftrag nicht aufgegeben, ... In ihrer mütterlichen Liebe trägt sie Sorge für die Brüder ihres Sohnes, die noch auf der Pilgerschaft sind und in Gefahren und Bedrängnissen weilen, bis sie zur seligen Heimat gelangen. (LG 62)

Ja, Maria ist jetzt in der Lage, ihre Mutterschaft in der Gnadenökonomie unaufhörlich bis zur ewigen Vollendung aller Erwählten auszuführen (vgl. LG 62). Und es ist hier wie immer nicht unwesentlich, dass die mütterliche Liebe Marias für uns nicht nur ihre Seele, sondern alle Kräfte ihrer menschlichen Natur,die in die Herrlichkeit erhoben wurde, mit einschliesst.

Und so wird die Assumpta die Mutter der neuen Welt und in einem noch tieferen Sinn die Mutter der Fülle der Zeiten. Laut Johannes Paul II ist es der „Zeitpunkt, an dem durch das Eingehen des Ewigen in die Zeit die Zeit selbst erlöst wird und endgültig zur »Heilszeit« wird, indem sie sich mit dem Geheimnis Christi »füllt«“ (RM 1). Die oft zerfurchte Pilgerfahrt der Kirche geschieht und entwickelt sich in der „Fülle der Zeit.“ „Aber auf dieser Pilgerschaft ... geht sie denselben Weg, den auch die Jungfrau Maria zurückgelegt hat, die den Pilgerweg des Glaubens gegangen ist und ihre Verbundenheit mit dem Sohn in Treue bewahrt hat“ (RM2).

Diese „Fülle der Zeit“ bannt die vielen „Jüngsten Tag“ Szenarios von heute und wir können sicher sein, dass, wo Maria - der wahre „Morgenstern“ – uns vorausgeht, die pilgernde Menschheit sicher geführt wird; und es wird vor allen Dingen der glorreiche Aufgang der „Sonne der Gerechtigkeit“ kommen. Allen Kassandras der Apokalypse und allen Sirenen des Wassermanns und der Fische schlägt Maria ihr eigenes Lied vor; es ist das freudige Bewusstsein, dass Gott die errettende Wahrheit, dass er die Quelle jeder Gnade und auch der liebevollen Vorliebe für die Armen und die Demütigen ist. Und so wird das Magnificat ein Manifest der Hoffnung, ein wirkungsvolles Gegenmittel gegen den zerstörerischen und zerfressenden Zeitgeist.

Unsere stillende Mutter und der glücklichen Geburt

Maria, die Mutter der neuen Welt und die Mutter der Fülle der Zeit, ist auf dieser Pilgerfahrt am Anfang des neuen Jahrtausends auf unserer Seite. 1620 bauten frühere spanische Siedler in St.Augustine in Florida eine Kapelle und weihten sie den Müttern der Neuen Welt unter dem Titel der Nuestra Senora de la Leche y Buen Parto (Unsere stillende Mutter und der glücklichen Geburt). Das Heiligtum beherbergt eine kleine Replika der über alles geschätzten Madonna Spaniens, der stillenden Mutter. Sie wird auch uns zur Welt bringen und uns nähren. Die Verwandtschaft des Glaubens, die uns mit unserer Mutter in der Gnadenordnung vereint, geht ihrer Qualität und Stärke zum Teil auf die Tatsache zurück, dass Marias verherrlichtes Herz in Gottes Gnade eingetaucht wird. Genauer gesagt: mit ihr in Gottes Gnade eingetaucht zu sein, ist sowohl Geburt als auch Nahrung für uns alle.

Lasst uns an diesem denkwürdigen Tag die Assumpta als die wahre Mutter der Neuen Welt in Christus grüßen und lasst uns einander eine glückliche Geburt in die Fülle der Zeit wünschen, unserer eigenen und der aller gläubigen Marienpilger.