SCHWARZE MADONNEN: UNSERE LIEBE FRAU VON MONTSERRAT

Englischer Originaltext von Michael P. Duricy

Auf dem Berge Montserrat birgt eine Kirche in der Nähe von Barcelona in der spanischen Region Katalonien eine „wunderwirkende“ Statue der Madonna mit dem Kind, die unter dem Namen La Morenita (die kleine Schwarze) bekannt ist.

Die Legende weist darauf hin, dass das wundertätige Bild zuerst als La Jerosolimitana (die Einheimische aus Jerusalem) bekannt war, weil geglaubt wurde, dass sie in dieser Stadt in der Frühzeit der Kirche geschnitzt worden war.

Ein anderer Bericht, der dem Anschein nach gut nachgewiesen ist, besagt, dass das Bild im Jahre 718 auf den Montserrat gebracht wurde, um der Gefahr zu entgehen, die durch eindringende Sarazenen verursacht wurde. Das Bild verschwindet zu diesem Zeitpunkt aus den geschichtlichen Aufzeichnungen; es taucht wieder in einer Legende auf, die berichtet, dass Hirten die verschwundene Statue durch übernatürliche Hilfe im Jahre 890 gefunden haben. Während sie in jener Nacht ihre Herden hüteten, hörten und sahen die Hirten zu ihrem Erstaunen Lichter und ein Singen, das von dem Berg kam.

Als sich dies wiederholte, berichteten die Schäfer diese Begebenheit ihrem Priester. Als der Priester das Singen ebenfalls hörte und die geheimnisvollen Lichter sah, benachrichtigte er den Bischof und auch dieser bestätigte das Phänomen. Die Statue Unserer Lieben Frau wurde in einer Höhle entdeckt und von dort in einer kleinen Kirche, die binnen kurzer Zeit errichtet worden war, aufgestellt. Die Statue jedoch, die gegenwärtig im Heiligtum von Montserrat (links) aufbewahrt wird, scheint aus dem 12. oder 13. Jahrhundert zu stammen.Ihr romanischer Stil stimmt mit dieser Einschätzung überein. Über den üblichen Stils hinaus ist das Genre der Statue zweifellos die einer „gekrönten Jungfrau,“ was für die ältesten Ikonen Marias typisch ist. Im Interesse der Madonna mit Kind Darstellungen bemerkt Stephen Benko :

„Es ist bekannt, dass die Ikonographie der Isis und (ihres Sohnes) Horus im Prinzip von den Christen angenommen wurde, als sie anfingen, Maria und Jesus als Mutter und Kind darzustellen.“ Benko fügt hinzu, dass Isis manchmal „schwarz abgebildet wurde.“ Diese Beobachtungen zeigen jedoch nur eine Wechselbeziehung an und keine ursächliche Verwandtschaft. Sie beantworten nicht die Frage, warum die Figuren vom Montserrat schwarz sind. Vielleicht ist eine verlorengegangene Statue der Isis von den Hirten im 9. Jahrhundert aufgefunden worden, die sie dann trotz der schwarzen Merkmale für eine Madonna mit Kind gehalten haben.
Die gegenwärtige Kopie könnte dem allgemein üblichen Stil mit einigen Anpassungen nachgebildet worden sein, um dem romanischen Geschmack Rechnung zu tragen. Nicht weniger wahrscheinlich ist jedoch die Theorie, dass die jetzige Kopie der inthronisierten Jungfrau nachgebildet wurde. Warum dann die schwarze Färbung der Figuren?

Vielleicht wurde sie als Nachbildung früherer christlichen Schwarzen Madonnen modelliert, die der Bildhauer gesehen hat. Dies klingt plausibel, wird aber nicht durch nachhaltige Angaben unterstützt. Vielleicht wurde die Statue durch die Kommentare zum Hohenlied inspiriert („Ich bin schwarz, aber schön“), die zu jener Zeit beliebt waren.

Wiederum haben wir keinen Beweis mit Ausnahme der weltlichen Übereinstimmung der Ereignisse. Dazu kommt, dass Montserrat in Spanien und nicht in Frankreich liegt, wo der Hl. Bernhard von Clairvaux und Andere wohlbekannte Kommentare über die Loblieder verfassten. Vielleicht wurde das Bild schwarz geschaffen, um irgendeine esoterische religiöse Symbolik zu verkörpern. Ean Begg bemerkt, dass sich das Heiligtum von Montserrat unter den besten Anwärtern für frühere Heiligtümer des Heiligen Grals befindet. Überdies vermehrten sich im 12. und 13. Jahrhundert esoterische, christliche Sekten, jedoch nicht in erster Linie in Spanien. Wiederum sind das Wechselbeziehungen und keine Beweise. Vielleicht hat Cruz doch recht: „Die dunkle Färbung Unserer Lieben Frau von Montserrat ist den unzähligen Kerzen und Lampen zuzuschreiben, die Tag und Nacht vor dem Bild gebrannt haben.“

In jedem Fall können bestimmte Tatsachen nicht bestritten werden: Die Statue ist immer als eines der berühmtesten Bildnisse in Spanien betrachtet worden. Jedoch wie bei Unserer Lieben Frau in Einsiedeln ist ihre Beliebtheit eher auf einen regionalen als auf einen universalen Horizont begrenzt. Außerdem hat das Heiligtum zahllose Pilger im Laufe der Jahre in Empfang genommen, deren Anteil gegenwärtig mindestens eine Million pro Jahr beträgt. Diese Vielzahl schließt weltliche und kirchliche Herrscher mit ein genauso wie eine Anzahl von Heiligen. Der Bekannteste unter diesen war wohl der heilige Ignatius von Loyola, der dort sein Schwert niederlegte und seine religiöse Mission begann, „nachdem er eine Nacht dort verbracht und vor dem Bild, ‚einem Wunder in der Ordnung der Gnade,‘ gebetet hatte.“