Liturgie

Q: Welchen Ursprung und welche Bedeutung hat die liturgische Feier von Maria als Königin?

A: Am 22. August feiert die römisch - katholische Kirche eine Gedenkfeier zu Ehren des Königtums Marias. Die Gedenkfeier findet am Ende der Oktav, das heißt acht Tage nach der Feier der Aufnahme Marias in den Himmel, statt. Das Fest des Königtums kann als eine Verlängerung der Feier der Aufnahme in den Himmel betrachtet werden. Folgendes ist ein Auszug aus einem Dokument der Serviten, das nach dem 210. Generalkapitel des Ordens 1966 herausgegeben wurde (S. 62-66).

Christus, das getötete und auferstandene Lamm, ist der „König der Könige und Herr der Herren“ (Offb 19,16). Auf Erden jedoch war er kein König gemäß den Kategorien dieser Welt (vgl. Joh 18,36: er herrschte vom Kreuz aus und mit der Macht der Liebe. Überdies war der König paradoxerweise der Knecht seiner Untertanen. Er wusch ihre Füße (vgl. Joh 13, 4-5), gab sein Leben für sie hin (vgl 1 Joh 3 16; Eph 5,2; Joh 15,13) und wünschte, dass ihre Beziehungen durch sein Beispiel der Liebe (vgl. Joh 13,34-35;15, 12, 17) und das gegenseitige Dienen (vgl. Joh 13,14-15; Mt 20, 25 -28; Mk 10,42-45; Lk 22, 24-27) gestaltet werden.

Maria ist wegen Christus und ähnlich wie Christus Königin und Unsere Liebe Frau. Das Zweite Vatikanische Konzil, das eine Tradition billigte, die in das vierte Jahrhundert zurückging, bestätigte entschieden die Doktrin der Königswürde Marias: „Als ihr irdisches Leben vorüber war,“ wurde sie „vom Herrn als Königin über alle Dinge erhoben, damit sie umso vollkommener ihrem Sohn gleichgestaltet sein kann.“ (Lumen Gentium 59)

Wir beobachten in unserer Zeit eine gewisse Abneigung, den Titel Königin der heiligen Jungfrau zuzuschreiben. Er wird als veraltet angesehen. Einige sagen, er befürwortete eher eine Mariologie der Vorrechte als eine Mariologie des Dienens. Diese Diskussion hat eine nützliche Untersuchung der Natur des Königtums Marias, ihrer theologischen Grundlage und dem biblischen Hintergrund hervorgerufen. (Für die theologischen Grundlagen des Königtums Marias hat Pius XII. in Ad caeli Reginam vom 11. Oktober 1954, (AAS 46 (1954), 625 -640)steht etwas von dauerndem Wert festgehalten.)

Ungeachtet der gegenwärtigen Kontroverse tauchen in Konstitutionen von heutzutage die Titel Königin und Unsere liebe Frau mit einer gewissen Regelmäßigkeit auf und haben im Wesentlichen die gleiche Bedeutung. Vielleicht ist es in einigen Fällen möglich, einen Unterschied zwischen ihnen festzustellen. Der Titel Königin wird verwendet, um auf eine geradezu formelle Weise den endgültigen Zustand der Jungfrau anzuzeigen, die neben ihrem Sohn, dem König der Herrlichkeit thront. Der Titel „Unsere liebe Frau“ wird in einem Klang und einem Kontext verwendet, der eher verständlich ist; er deutet auf Mariens Gegenwart als Herrin des Hauses - Konvent oder Nonnenkloster - hin, wo die Glieder des Institutes sich freiwillig ihrem Dienst zur Verfügung stellen und der radikalen Nachfolge Christi verpflichtet sind.

Der Titel Königin und Unsere Liebe Frau und folglich die Anerkennung der „Herrschaft“ der Jungfrau sind sehr häufig im benediktinischen Mönchstum vorhanden. Ihre Verwendung erfuhr eine bedeutende Weiterentwicklung in der Reformbewegung der Zisterzienser und in den Orden des apostolischen Lebens, die vom Anfang des zwölften Jahrhunderts an entstanden. Die sehr bekannte Antiphon Salve Regina misericordiae, die bereits im elften Jahrhundert bekannt war, ist wohl der charakteristischste Ausdruck der Art und Weise, in der sich die Mönche und Brüder im Bittgebet an die heilige Jungfrau wandten.

Schon in jener Ära werden zusammen mit der kraftvollen Bejahung des Königtums Marias, ihre mütterliche Dimension und die vermittelnde Funktion mit gleicher Überzeugung bestätigt. In Maria ist der mütterliche Dienst der Barmherzigkeit ein Ausdruck der Ausübung ihres Königtums. Dieser Gedanke führte bereits im dreizehnten Jahrhundert dazu, dem Anfang der Antiphon den Titel Mutter beizufügen: „Heil, heilige Königin, Mutter der Barmherzigkeit.“

Von dieser Zeit an tauchten die paarweisen Bezeichnungen Königin und Mutter häufig in liturgischen, gesetzgebenden und asketischen Texten von Instituten des geweihten Lebens auf. Zeitweise nahmen sie einen offiziellen Charakter an, wie im Falle der karmelitischen Familie, für die die heilige Jungfrau die „Königin und Mutter des Karmel“ ist.

manchmal verweist der Titel Königin auf die glorreiche Bestimmung und die Würde der Mutter des Herrn, die nun vollkommen mit ihrem Sohn übereinstimmt und an seinem Königtum teilnimmt. Die Glieder der Institute des geweihten Lebens blicken mit Freude auf diese Realität der Gnade und stellen sich gerne unter den Schutz der Königin der Barmherzigkeit. In anderen Fällen wird die Aufmerksamkeit auf die Art und Weise gelenkt wie sie herrscht – wie ihr Sohn durch die Kraft der Liebe allein – und zum Bereich, wo sie ihr Königtum - im inneren Bereich z. B. im Herzen der Person ausübt. Dies wird in der De Montfort Tradition hervorgehoben, wo sie die „Königin der Herzen“ genannt wird.

Zu einer anderen Zeit wird der Titel mit der erhabenen Weise verbunden, in der Maria von Nazaret die evangelischen Tugenden ausübte. Sie ist die Königin der Tugenden, die Königin der Demut, die Königin der Reinheit etc. Geweihte Personen betrachten Mariens Tugenden und streben danach, in sich selbst die gleichen Ausdrucksformen der christlichen Vollkommenheit nachzubilden.

In Anpassung mit den Anweisungen, die in der nachkonziliaren Mariologie ergangen sind, bemerken wir eine gewisse Sorge, dass das Königtum Mariens nicht einen zu großen Abstand zwischen ihr und den geweihten Personen schafft, die als Pilger auf Erden täglich kämpfen, um den Herausforderungen in der radikalen Nachfolge Christi zu begegnen. Wir können Marias Königtum charakterisieren, indem wir sagen, dass es ein erhabenes Teilhaben am königlichen Zustand des Volkes des Neuen Bundes ist (vgl. 1 Petr 2,9-10; Offb 1,6;5,10; Ex 19,6), von denen alle dazu aufgerufen sind, mit Christus zu herrschen (vgl Tim 2,12; Röm 5,17; Offb 22,5), die Konsequenz der Mitwirkung der Mutter am österlichen Geheimnis ihres Sohnes mit seinen Dimensionen der Erniedrigung, der Passion und der Herrlichkeit ist (vgl Phil 2,6-11). Wegen dieser Mitwirkung nimmt sie an seiner Erniedrigung teil und deshalb auch an seiner Herrlichkeit, das endgültige Resultat der Reise des Jüngerseins von Maria ist. Am Ende ihres irdischen Lebens wurde sie in das Königreich ihres geliebten Sohnes getragen (vgl. Kol 1,13) und empfing für ihre Treue „die Krone des Lebens“ (Offb 2, 10; vgl. 1 Kor 9, 25). Dieses Resultat hat eine universale Bedeutung, weil die heilige Jungfrau, die nun die Fülle der Freiheit und die vollständige Vereinigung mit Christus erlangt hat, die königliche Ikone des Voranschreitens der Kirche und aller der Geschichte und der Schöpfung ist, wie sie sich vorwärts bewegt, bis wir in „einen neuen Himmel und eine neue Erde“ (Offb 21,1; vgl. Jes 65, 17) in der Wohnung Gottes eingehen, in der „es keinen Tod mehr oder Trauer, keinen Jammer oder Schmerz mehr geben wird“ (Offb 21,4; vgl Jes 25,8).